Ich glaub ich spinne, oder: Wollwahn

Der Wahnsinn hat bekanntlich viele Gesichter, und manchmal kommt er ganz harmlos, in Wolle gehüllt, daher.

Dass ich latent dem Wollwahn erlegen bin, ist nichts Neues. Dass mein Stash von Jahr zu Jahr größer wird, weil ich nur schwer an schöner Wolle vorbeigehen kann, ist auch schon seit geraumer Zeit nicht von der Hand zu weisen – wer mich daheim besucht, kommt nicht umhin, an allen möglichen und unmöglichen Stellen Garnkisten oder Strickprojekten ausweichen zu müssen.

Im Sommer hat der Wollwahn allerdings ein neues Ausmaß angenommen, und ich komme nicht umhin, zu sagen: Ich glaub, ich spinne.

Spinnen finde ich schon lange spannend, hielt es aber stets für eine komplizierte Angelegenheit, für die der Besitz eines unerschwinglichen Spinnrades unumgänglich ist. Dann allerdings, als ich ein wenig zum Thema stöberte, kam ich auf das Prinzip Handspindel. Im Sommer, auf einem Mittelaltermarkt in Niedersachsen, schlug der Wahn dann mit voller Stärke zu. Ich stieß auf eine Handspindel und ein super nettes Lager, das mir das Handspinnen zeigte, und verbrachte das gesamte Wochende spinnend bei uns im Lager. Dass mir das andere Lager einen ganzen Sack frischgeschorene Heidschnucke zum Üben schenke, machte mir die Sache noch leichter (tausend Dank dafür!).

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Der erste Versuch.

Und so nahm das Unheil seinen Lauf. Wie das so ist, wenn man mit einem Werkelvirus infiziert ist, ertappt man sich plötzlich dabei, weitere Utensilien, mehr Spindeln, erste Kammzüge verschiedener Schafarten zu bestellen, und zu probieren, bis endlich der erste nennenswerte Faden – nicht etwa nur ‘schwangere Regenwürmer’, wie die ersten Versuche liebevoll und  selbsterklärend genannt werden. Ich zwirnte das erste Mal, ich übte an meinem Sack Heidschnucke, Rohwolle zu waschen, zu zupfen, zu kardieren…

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Tada! Das erste Garn, das den Namen auch tatsächlich verdient. 50g Moorschnucke.

Tja. Und gestern nahm der Wollwahn dann die finale Phase ein: Ich bestellte mein erstes eigenes Spinnrad.

Ich glaub, ich spinne.


Rauskommen

Noch vor zehn Jahren, zu Beginn meines Studiums (und ich kann nicht glauben, dass das zehn Jahre her sein soll), bin ich mit unserem damaligen Hund in den Semesterferien oder an den Wochenenden abenteuerlustigerweise alleine losgefahren, um irgendwo wandern zu gehen. Ich habe in jener Zeit wunderbare Orte entdeckt, an die ich bis heute gern zurückkehre.

In den letzten Jahren habe ich das – obwohl ich nun wieder einen Hund habe, der voller Energie ohnedies kaum etwas grandioser findet, als wandern zu gehen – kaum noch getan. Ohne darüber nachzudenken, hat sich in mir, trotz Begeisterung für die Natur, fürs Wandern, für Abenteuer und neue Orte, eine Art seltsame zurückhaltung, eine fast sorgenvolle Trägheit angesammelt, so dass ich überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht habe, mich am Wochende mit Hund und Rucksack ins Auto zu setzen, und weiter zu fahren als in den Stadtwald.

Erst eine herrliche Wanderung mit einer großartigen Freundin hat mich nun ernstlich darüber nachdenken lassen, woran das liegt. Vielleicht ist das diese seltsame Art von Sorge, die das Älterwerden mit sich bringt, wenn man sich lieber an Gewohntes hält, bevor man alleine etwas neues erkundet? Vor meinem inneren Auge sehe ich mich schon als meine Mutter, die sich in ihrer fast agressiven Ängstlichkeit vor allem Neuen und allem, was sie allein tun soll, manche Möglichkeiten und Träume im Leben verbaut hat.

Auf gar keinen Fall will ich so werden. Wehret den Anfängen! Und darum beschloss ich, ab sofort wieder regelmäßig rauszufahren, mit Hund und Rucksack, um zu wandern, um Märchenhafte Orte zu erkunden und, wenns vielleicht auch keine echten Abenteuer sind, nicht erst diese Abneigung vor Neuem, Fremden, allein, zu entwickeln.

Meine erste Wanderung unter diesem Entschluss habe ich dann auch gleich heute umgesetzt:


Die Sache mit dem Kräuterbeet, oder: Corrisande vs. Immergrün

Dass ich neuerdings einen Garten habe, wisst ihr ja schon.
Und jeder Garten, fand ich jedenfalls, braucht ein Kräuterbeet, das nicht nur hübsch wuchert und grünt und blüht, sondern nebenher alle relevanten Kräuter liefert, derer man so habhaft sein wollen kann. So weit, so gut.

Ein Beet hatte ich mir dafür schon ausgesucht – ein “Hochbeet” (hoch ist es, aber vermutlich nur aus praktischen Gründen, ich glaube nicht, dass es unten drahtvergittert ist) direkt an der Gartenlaube. Einziges (vermeintlich kleineres) Problem: Das Immergrün.

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Der Tatort – und das vermeintliche Opfer, das sich als gefährlicher Feind herausstellte.

Das Immergrün, meine Lieben!

Ich hatte zu Beginn meines Planes sogar Mitleid mit dem Immergrün. Als ich mit dem Unkrauteimer heranstapfte, um es zu rupfen, tröstete ich mich damit, dass es noch an vielen anderen Stellen meines Gartens fröhlich wächst.
Mein Mitleid hielt ungefähr eine Minute.
Danach wusste ich, dass Immergrün nicht nur Immergrün heisst, weil es immer grün ist, sondern auch WEIL ES IMMER DA IST!!1!!11!elf. Man greift entschlossen nach so einem Strang und zieht und zieht und lehnt sich immer weiter dagegen und zerrt und ruckt und wendet irgendwann das ganze Körpergewicht auf… und nichts passiert. Das Immergrün obsiegt.

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Sowas wie Halbzeit.

Mein Mitleid schlug in latente Missgunst um. Aber trotz dieser geballten Ladung missgünstiger Motivation, es nun zum Selbstzweck loszuwerden und dem Wunsch nach einem Kräuterbeet, musste ich zu härtesten Mitteln greifen. Am Ende habe ich zusammen mit dem Immergrün und seinen Immerwurzeln gefühlt das halbe Beet mit entfernen müssen. Aber immerhin – ich habe es geschafft (zumindest an dieser Ecke des Gartens…).

So konnte am Wochenende auch mein Kräuterbeet in die Realität umgesetzt wurden. Von den Standardgewürzen bis zu seltsamen Kräutern, von denen ich bis dato nie gehört habe – Borretsch zum Beispiel – ist alles dabei, und wird nun hoffentlich zufrieden vor sich hinwachsen.

Und wehe dem Immergrün, dass dort nochmal einen Stängel zeigt!

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Die Sache mit dem Garten.

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Ein paar verwirrte Winterblüten am Eingang

Mit Gärten ist es so eine Sache. Denn obwohl ich als Kind begeistert Blumen gesäht habe, war ich insgesamt der Gartenarbeit abgeneigt. Das lag aber nicht an der Arbeit – sondern an dem Umstand, dass meine Mutter eine sehr spezielle Vorstellung davon hat, wie ein Garten (in jenem Fall: ihr Garten) auszusehen hat. Möglichst geschniegelt, glatt, in Reih und Glied, streng farblich sortiert (und alles was gelb blüht, wird bei ihr herausgerissen), kein Ästchen an falscher Stelle. Ein Miniaturpark. Obwohl ihr Garten auf seine Art und Weise hübsch anzusehen ist, hatte ich nie das Bedürfnis, mich darin zu betätigen.

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Blick Richtung Naturschutzgebiet. Proudly presenting: Mein Acker!

Nun habe ich aber auch eine Tante (eigentlich habe ich mehrere davon, aber hier schwebt mir eine ganz spezielle vor.) – und auch diese Tante hat, zusammen mit dem dazugehörigen Onkel, einen Garten. Und der Garten war, verwildert übernommen, von Anfang an so eine Art Paradies für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Vögel, Blumen. Hier darf wachsen, was wachsen mag, es wird lediglich passend in Form gebracht wo es andernfalls im Weg oder unpraktikabel wäre. Hier steht ein Buchsbaum mitten auf der Wiese, dort rankt eine alte Kletterrose vor sich hin, mischen sich Wildblumen mit typischeren Ziergartenpflanzen. Alle Farben blühen fröhlich durcheinander. Egal wo man steht, es summt, es leuchtet, man möchte sich allenthalben ins Gras legen und einfach nur zuschauen.

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Naturschutzgebiet hinter dem Grundstück

So einen Garten zu haben – ein Traum.
Warum nur ein Traum, fragte die besagte Tante guter Dinge (sie ist einer der tatkräftigsten und optimistischsten Menschen, die ich kenne), und schlug mir einen Schrebergarten vor.
Schrebergärten, Ausgeburt deutscher Spießigkeit und Vereinsmeierei! Schrebergärten, zu erwerben ab gefühlten 80+ Lebensjahren. Nein, niemals!

Aber irgendwie bin ich von dem Gedanken nicht losgekommen, mein eigenes bisschen grün zu haben, in dem die Dinge wachsen können wie sie mögen, in dem ich ein bisschen Obst und Gemüse anbauen und im Sommer samt Hund meine Korrekturen im Sonnenschein statt am Schreibtisch daheim erledigen kann.

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Über Stil und Farbe der Hütte lässt sich streiten – aber daraus lässt sich sicher etwas machen!

Und was soll ich sagen – mit ein bisschen Geduld nach einem entsetzlichen Gartenangebot in einer Anlage, in der wirklich alles gleich aussah und hunderte Gärten spießig wie die Zinnsoldaten nebeneinander lagen, erhielt ich einen Anruf einer winzigen Kleingartenanlage bei mir ums Eck. Ohne große Hoffnung fuhr ich hin – und war verliebt. Das letzte Grundstück in der Reihe – also nur ein direkter Nachbar, auf der anderen Seite liegt eine Streuobstwiese – und direkt am Naturschutzgebiet gelegen, ist mein Grundstückchen eines in einer Anlage, in der jedes Grundstück ein bisschen anders aussieht – von geschniegelt-mit-Gartenzwerg bis verwildert ist alles dabei. Und auch wenn ich den Garten zum 1. Januar übernommen habe, und daher noch nicht viel da war, macht es mir bereits jetzt großen Spaß zu planen, was ich pflanzen will, zu schauen, was die ersten Blättchen in die Wintersonne streckt und Ideen zu sammeln, wie ich mir mein eigenes kleines Paradies bauen kann, in dem die Natur im Vordergrund steht, nicht der Ordnungswahn.

Demnächst dann vermutlich hier entweder erste Erfolge oder Rückschläge in Sachen Gärtnerei, erwünschte und unerwünschte Wildtiere im Garten und den allgemeinen Wahnsinn der deutschen Schrebergartenkultur!

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Überall steckt irgendwas die Köpfe aus dem Boden…

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…oder bekommt Blättchen.

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Und Erdbeeren hab ich wie Unkraut. Sehr gut!


Instaprints – Poster XXL vs. DM

Instagram ist seit langem ein Programm, dass ich wirklich gern mag. Es ist zwar nicht sonderlich “professionell” und die Bearbeitungsmöglichkeiten erst seit Kurzem nennenswert, aber das Polaroidfeeling, dass die Bilder bekommen, spricht mich nach wie vor so an, dass ich derzeit fast ausschließlich mit dem Handy fotografiere und versuche, meine Möglichkeiten mit Instagram auszureizen.
Ich habe seit einer ganzen Weile nach Möglichkeiten gesucht, die Ergebnisse auch als tatsächliche Fotos zu bekommen – das wiederum war lange Zeit recht schwer. Bekannte Fotodienste für Instagram sitzen zumeist in Übersee und sind schlicht und ergreifend relativ teuer. Nachdem ich aber vor kurzem mit PosterXXL endlich einen soliden deutschen Anbieter fand, dessen Preise human erscheinen, wollte ich es testen – und stieß zufällig darauf, dass auch DM in ihren Fotoprintautomaten nun ein Instagramformat (sogar direkt ab Account) anbietet.
Preislich liegen beide Angebote im Rahmen – ich muss zu meiner Schande gestehen, nicht Buch geführt zu haben, bin aber im Gegensatz zu anderen Online-Angeboten für Instagramdrucke nicht entsetzt gewesen.

Ich habe also getestet – hier sind die Ergebnisse:

Das Foto, das ich für den Test verwende, weist alle Nachteile des Instagramformats auf: Es ist von relativ schlechter Qualität, übermäßig körnig, schwarz-weiß mit geringem Sepia-anteil:

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Die Drucke von Poster XXL kommen in einer hübschen, kleinen Box und sind in Sets von 25 oder 50 erhältlich. Die Bilder in Polaroidgröße können bereits beim Bestellen z.B. mit Text in Handschriftoptik versehen werden, es ist möglich auszusuchen, ob ein breiter Rand am unteren Bildende dabei sein soll oder nicht.
Die Drucke bei DM fallen fast doppelt so groß aus, selbst im kleinsten möglichen Format. Es ist möglich, sie mit schmalem Rahmen oder komplett rahmenlos zu bestellen.

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In diesem Größenunterschied liegen zum Teil die sichtbaren Qualitätsunterschiede begründet. Natürlich fällt die Körnung des Originalbildes in solch einem Riesenformat ungleich mehr auf. Hier ist es bedauerlich, dass DM keine kleineren Druckformate anbietet.
Aber auch an anderer Stelle sind Qualitätsunterschiede erkennbar: So ist die Farbgebung bei PosterXXL gleichmäßig und trifft das Original relativ gut. In der DM Version hingegen sieht man sehr stark, dass einige Bereiche überwiegend blaustichtig sind, andere überwiegend gelbstichig.
Auch der Rahmenrand ist bei den Drucken von PosterXXL weit schärfer als bei der DM Version, die recht verschwommen ist und dadurch an Effekt verliert.

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Überzeugt haben mich die Drucke vom DM insgesamt leider nicht. Von den Bildern von PosterXXL bin ich allerdings ziemlich angetan, und bin glücklich, endlich einen guten Anbieter für dieses Bilderformat gefunden zu haben :)


Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.
(Erich Kästner: Die Wälder schweigen, 1936)

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Nach dem Regen

“I always like walking in the rain, so no one can see me crying.”
Charles Chaplin

Der Sommer nähert sich: Nach Regen riecht es nach feuchter Erde, gemähtem Rasen, Regen auf Pflastersteinen. Die Vögel zwitschern lauter denn je, ungeachtet des Umstandes, dass die Wolken noch bedrohlich tief hängen. Manchmal wünschte ich, man könnte Gerüche und Geräusche ebenso auf einem Foto festhalten wie die Bilder. In Ermangelung dieser Möglichkeit nur Letztere.

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